Es geht darum, Chancen zu schaffen – Im Gespräch mit Werner Erkes von der Werner Erkes Stiftung

Werner Erkes ist Unternehmer und Stifter. Mit der Werner Erkes Stiftung engagiert er sich für Bildungsprojekte in Europa und in derzeit sechs verschiedenen Ländern Subsahara-Afrikas. Dem HirschburgFORUM ist er bereits durch frühere Begegnungen verbunden.
Im Mittelpunkt seiner Stiftungstätigkeit steht die Überzeugung, dass Bildung Chancen eröffnet und Menschen dabei befähigt, ihren eigenen erfolgreichen und selbstbestimmten Lebensweg zu gestalten.
Im Gespräch wurde schnell deutlich, wie langfristig Werner Erkes denkt – und warum er Stiftungsarbeit als Investition in die Zukunft versteht.

Von der Förderstiftung zur eigenen Projektarbeit

Herr Erkes, wann entstand bei Ihnen der Wunsch, einen Teil Ihres Erfolgs in gesellschaftliche Verantwortung zurückzugeben?

„Das ist eigentlich ein langer Prozess gewesen – weniger abhängig von meinem Berufsleben als von meinen privaten Umständen.

Ich habe keine Kinder. Irgendwann stellt man sich die Frage: Was geschieht eigentlich mit dem Vermögen? Wer soll es irgendwann bekommen? Oder eben, was kann ich selbst noch damit verwirklichen.

Deshalb habe ich vor inzwischen dreizehn Jahren die Stiftung gegründet. Bereits damals war mir klar, dass ich mit dem Vermögen etwas Sinnvolles und Nachhaltiges machen möchte.

Gleichzeitig waren wir mit unserer Agentur schon immer auch sozial eingestellt und haben regelmäßig gemeinnützige Projekte finanziell mit Spenden unterstützt. Dadurch kommt man mit vielen Organisationen in Kontakt und beginnt irgendwann darüber nachzudenken, ob man so etwas nicht auch in größerem Stil machen kann.“

Gleichzeitig kam ein weiterer Gedanke hinzu:

„Ich brauche auch für die Zeit nach meinem beruflichen Leben eine Aufgabe.“

Die Stiftung sei deshalb nicht nur ein Weg, etwas zurückzugeben, sondern auch eine Aufgabe, die ihn bis heute erfüllt.

Wie würden Sie jemandem die Arbeit Ihrer Stiftung beschreiben?

„Die Stiftung hat sich im Laufe der Jahre verändert.

Am Anfang waren wir eine klassische Förderstiftung. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass wir stärker selbst gestalten möchten.

Heute sind wir keine Förderstiftung mehr, sondern eine Stiftung mit eigenen Projekten.“

Das erste eigene Projekt entstand in Rumänien. Dort baute die Stiftung ein Internat und stellte es dem deutsch-rumänischen Partnerverein mietfrei zur Verfügung. Das Internat bietet Kindern und Jugendlichen ein Zuhause, die unter schwierigen sozialen Bedingungen nahe der moldawischen Grenze leben.

„Die Kinder dort haben oft kaum eine Chance, in der Schule mitzukommen, weil die Voraussetzungen zu Hause einfach nicht gegeben waren.“

Heute erstellt die deutsche Stiftung Kindergärten, Schulen, Internate und Ausbildungszentren in Namibia, Senegal und Uganda. Dafür wurden dort eigene bzw. eigenständige Foundation gegründet, die die Projekte vor Ort begleiten.

„Wir maßen uns nicht an zu wissen, wie alles funktioniert. Denn die Menschen vor Ort wissen selbst am besten, wo das Bildungssystem krankt. Aber wir unterstützen sie dabei, Projekte zu planen und umzusetzen.“

Warum Bildung der Schlüssel ist

Bildung spielt in nahezu allen Projekten Ihrer Stiftung eine zentrale Rolle. Warum?

„Bildung ist der Schlüssel zu allem.

Mich bewegt durchaus das große Ganze: Weltfrieden, Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Der entscheidende Hebel, diese Ziele zu erreichen, ist die Bildung.

Das Recht aller Menschen auf gleiche Bildungschancen – und die Welt wäre eine andere.“

Ein großer Teil Ihrer Arbeit findet heute in Afrika statt. Warum haben Sie diesen Schwerpunkt gewählt?

„Grundsätzlich sehe ich den gesamten globalen Süden als einen Bereich, in dem Unterstützung sinnvoll sein kann. Aber man muss sich irgendwann für ein Einsatzgebiet entscheiden. Die Konzentration auf Subsahara-Afrika hat in erster Linie mit frühen Projektförderungen mit all seinen Herausforderungen zu tun. Es hätte aber auch Asien oder Südamerika sein können.“

„Viele Organisationen konzentrieren sich auf ein einzelnes Land. Wir arbeiten hier aber bewusst in unterschiedlichen Regionen. Der Grund ist der pragmatische Gedanke der Risikostreuung. Kriegsgefahren und politische Unruhen müssen immer mitgedacht werden.“

Langfristig denken, nachhaltig wirken

Gab es auf Ihren Reisen oder bei Ihren Projekten eine Begegnung, die Sie besonders bewegt hat?

„Ein einzelnes Schlüsselerlebnis gab es eigentlich nicht.

Wir sind eher am Beginn eines langjährigen auch emotionalen Prozesses.“

Die eigentlichen Erfolgsgeschichten lägen für ihn noch in der Zukunft.

„Wir sind als operative Stiftung erst seit zwei Jahren aktiv. Vorher haben wir hauptsächlich Fördermittel gegeben.“

Deshalb gehe es derzeit vor allem darum, Projekte aufzubauen und langfristige Strukturen zu schaffen.

„Was mich aber irgendwann freuen wird, ist Folgendes: Wenn man junge Menschen wiedertrifft, die eine gute Schule besuchen konnten, die einen Beruf gefunden haben und deren Leben sich positiv entwickelt hat.

Ich glaube, das ist das, was später die eigentliche Befriedigung ausmacht.“

Warum sind Ihnen langfristige Strukturen wichtiger als kurzfristige Hilfe?

„Wir haben einen Zehnjahres- und einen und Zwanzigjahresplan. Wir wollen nachhaltig helfen.“

Unser Ziel ist nicht, dauerhaft Geld zu überweisen. Unser Ziel ist, dass die Menschen ihre Schulen und Bildungseinrichtungen irgendwann selbst unterhalten können.“

„Wenn größere Unterstützung gebraucht wird, dann sind wir da. Aber unser Traum ist eigentlich, dass wir irgendwann nicht mehr gebraucht werden.“

Es gehe darum, Menschen zu befähigen, ihr Leben selbst zu gestalten.

„Wenn dadurch die nächste und übernächste Generation wieder bessere Chancen bekommen, dann entsteht Nachhaltigkeit.“

Respekt und Effizienz als Leitlinien

Gibt es Werte, die Sie sowohl als Unternehmer als auch als Stifter geprägt haben?

„Wenn ich einen Wert nennen müsste, der mich sowohl als Unternehmer als auch als Stifter geprägt hat, dann ist es Respekt.

Besonders der respektvolle Umgang mit Menschen ist immer entscheidend. Das gilt im Unternehmen genauso wie in der Stiftungsarbeit.“

Neben dem Respekt nennt Werner Erkes noch einen zweiten Begriff, der ihn bis heute begleitet: Effizienz.

„Wenn wir Geld in die Hand nehmen, dann muss es wirken. Es geht nicht darum, Almosen zu verteilen. Die Projektarbeit soll langfristig helfen und nachhaltig etwas verändern.“

Was möchten Sie mit Ihrer Stiftung langfristig bewirken?

„Das Ziel wird man wahrscheinlich nie vollständig erreichen. Aber schon der Weg zählt.

Wir wollen die Lebensqualität verbessern, Not reduzieren, Selbstbestimmung fördern und mehr Chancengleichheit ermöglichen.

Es geht darum, dass Menschen selbstbewusst und autark ihren Lebensunterhalt bestreiten können.“

Gleichzeitig verfolgt die Stiftung eine klare Zukunftsvision:

„Wenn wir aktuell  zehn Projekte haben, soll sich das in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verzehnfachen. Wir wollen also in den nächsten zwanzig Jahren mindestens 100 Bildungsprojekte erstellen und betreiben.“

Neue Perspektiven für Kinder und Jugendliche

Sie beschäftigen sich derzeit auch mit neuen Ideen für Deutschland. Was bewegt Sie dabei?

„Mich beschäftigt die Frage, wie junge Menschen ihre Talente entdecken können.

Ich hatte selbst das Glück, vieles ausprobieren zu können. Ich bin in einer Schreinerei auf dem Land aufgewachsen und habe früh unterschiedliche Tätigkeiten kennengelernt.“

Aus diesen Überlegungen entstand die Idee für ein andersartiges Projekt in Düsseldorf.

„Wir überlegen tatsächlich, einen Gutshof zu finden, zu erwerben und umzubauen, um dort ein Angebot zu machen, welches vor allem beeinträchtigten und weniger privilegierte Kindern gerecht werden soll.“

Im Mittelpunkt steht die Idee, Kindern einen Ort zu geben, an dem sie ihre Fähigkeiten entdecken und Selbstvertrauen entwickeln können.

„Persönlichkeitsentwicklung ist immer wieder ein großes Thema neben der klassischen Schulbildung.“

Wenn Sie jungen Menschen einen Gedanken mit auf den Weg geben könnten – welcher wäre das?

„Vergesst nicht die Freude an dem, was ihr macht.“

Das gilt für die Schule, für den Beruf und eigentlich für alles, was man tut.“

Er selbst habe z. B. zunächst Bauingenieurwesen studiert und irgendwann festgestellt, dass dieser Weg nicht zu ihm passe.

„Mir fehlte die kreative Arbeit.“

„Deshalb halte ich es gerade für junge Menschen für wichtig, verschiedene Dinge auszuprobieren und dabei ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken.“

Eine Aufgabe mit Sinn

Zum Abschluss: Was motiviert Sie heute persönlich?

„Der Schweizer Moderator Kurt Felix hat einmal gesagt: Im ersten Drittel des Lebens lernt man, im zweiten arbeitet man und im dritten macht man das, was einem Spaß macht. Das hielt ich immer für eine reizvolle Perspektive.“

„Die Stiftung ist für mich hervorragend geeignet, das letzte Drittel zu bestreiten. Ich kann mich so intensiv einbringen, wie ich möchte. Mal sind es drei Stunden am Tag, mal zehn Stunden.“

„Es macht mir Freude. Ich kann etwas zurückgeben und gleichzeitig etwas tun, was mich erfüllt.“

 

Mehr über die Arbeit der Werner Erkes Stiftung

https://www.erkes.de/