Gestalten statt konsumieren – Wolfgang Wimhöfer von Jung trifft Alt Düsseldorf e. V. über digitale Bildung und Verantwortung
2009 gründete der Düsseldorfer Künstler Wolfgang Wimhöfer den Verein „Jung trifft Alt Düsseldorf e. V.“ – aus der Überzeugung, dass Generationen im digitalen Wandel voneinander lernen müssen.
Seit den 1970er-Jahren künstlerisch tätig, verbindet Wimhöfer kreatives Denken mit gesellschaftlichem Engagement. Für ihn ist Gestaltung nicht nur ein ästhetischer Prozess, sondern eine soziale Praxis – eine Möglichkeit, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
„Jung trifft Alt“ steht für generationenübergreifende Bildung und digitale Teilhabe. Auslöser der Vereinsgründung war die wachsende Distanz zwischen den Lebenswelten von Jung und Alt in einer zunehmend technisierten Gesellschaft.
Mehr über die Arbeit des Vereins: https://jtad.de/
„Generationen dürfen nicht auseinanderdriften“
Herr Wimhöfer, was war Ihr innerer Antrieb zur Gründung des Vereins?
Es war die Überzeugung, dass Generationen voneinander lernen müssen – besonders im digitalen Wandel, auch auf Initiative der Bezirksvertretung 3 in Düsseldorf.
Er erlebte, wie sich Lebenswelten auseinanderentwickeln. Ältere Menschen zogen sich aus Unsicherheit gegenüber neuer Technik zurück, während Kinder selbstverständlich in digitale Räume hineinwuchsen.
„Viele ältere Menschen sagten schon damals: Mit moderner Technik wollen wir nichts zu tun haben. Und dadurch hängen sie sich weiter ab.“
Aus ersten Projekten im offenen Ganztag und in Senioreneinrichtungen entstand Schritt für Schritt ein Ansatz, der Austausch praktisch ermöglicht.
Technik verstehen – statt sie zu fürchten
Wenn Sie den Kern Ihres Vereins heute beschreiben – wofür steht er?
„Technik, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung praxisnah miteinander zu verbinden.“
Ein Schlüsselmoment sei das Öffnen eines Computers.
„Da sind plötzlich nur Drähte und Metallplatten drin.“
Entscheidend seien jene Augenblicke, in denen Kinder technische Zusammenhänge verstehen und dadurch Selbstvertrauen entwickeln.
Kunst und Pädagogik auf Augenhöhe
Sie sind seit vielen Jahren freischaffender Künstler. Wie beeinflusst Ihre künstlerische Arbeit Ihre pädagogische Arbeit?
„Meine künstlerische Arbeit fördert ganzheitliches Denken, Kreativität und Eigenverantwortung – das prägt auch meine pädagogische Haltung.“
„Alles passiert auf Augenhöhe.“
„Wenn ich etwas nicht weiß, sage ich: Müssen wir rausfinden.“
„Die Zukunft ist Team und nicht der Einzelkämpfer.“
Er erlebt immer wieder, wie schnell Kinder Verantwortung übernehmen, wenn man ihnen zutraut, selbst zu gestalten.
Computerrecycling und Nachhaltigkeit
Was war die grundlegende Idee hinter dem Computerrecycling-Projekt?
Ausgediente Computer werden aufbereitet, Ressourcen geschont und gleichzeitig digitale Bildung ermöglicht.
Die wiederhergestellten Geräte werden an Bedürftige gespendet.
Kinder entwickeln technisches Verständnis, Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit und Nachhaltigkeitsbewusstsein.
Dabei gehe es nicht nur um Technik.
„Abgucken ist erlaubt. Wir sind nicht in der Schule.“
Digitale Kompetenz bedeute für ihn immer auch soziale Kompetenz.
„Das persönliche Gespräch muss immer im Vordergrund stehen.“
Generationen verbinden
Wie entwickeln Sie den generationenübergreifenden Ansatz weiter?
Der generationenübergreifende Ansatz bleibt zentral.
Ab März werden auch Eltern sowie Seniorinnen und Senioren in die Workshops einbezogen.
Langfristig treibt ihn die Vision an, Bildung, Technik und gesellschaftliche Verantwortung dauerhaft im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes zu verbinden.
Zukunftsperspektiven
Welche Themen möchten Sie künftig stärker aufgreifen?
Themen wie KI-Kompetenz sollen stärker eingebunden werden, insbesondere als Unterstützung für alleinstehende Seniorinnen und Senioren.
Auch nachhaltige Technologien sollen künftig eine größere Rolle spielen.
Er wünscht sich zudem eine stabile institutionelle Basis, die kontinuierliche Arbeit ermöglicht.
Wirkung und Motivation
Was gibt Ihnen persönlich die Kraft, diese Arbeit fortzuführen?
„Die sichtbare Wirkung auf die Kinder.“
„Motivation gibt mir die sichtbare Wirkung bei Kindern und Jugendlichen. Innerhalb kurzer Zeit waren die zehn PC-Plätze nach dem Umzug in den Hafen belegt. Das motiviert mich enorm, weiterzumachen und die Angebote zu erweitern.“
Dialog und Verantwortung
Welche Rolle spielt das HirschburgFORUM für Ihre Arbeit?
„Solche Orte sind wichtig, weil sie wertfrei sind.“
Räume des Dialogs bleiben Voraussetzung für gesellschaftliche Verantwortung.
Mehr über die Arbeit von Jung trifft Alt Düsseldorf e. V. und ein Video: https://jtad.de/computer-recycling-duesseldorf/



