„Hinschauen hilft“ – Im Gespräch mit Caroline Merz von der Stiftung Sterntaler Düsseldorf

Caroline Merz ist dem HirschburgFORUM durch mehrere Begegnungen vertraut. Für dieses Gespräch hat sie die Tür zu ihrem Zuhause geöffnet und damit auch den Blick auf Sterntaler Düsseldorf, eine Stiftung, die sich seit vielen Jahren für Kinder und Jugendliche in Düsseldorf engagiert.

Sterntaler folgt dabei keinem engen Förderschwerpunkt. Unterstützt werden Projekte und Initiativen dort, wo Kinder und Jugendliche Hilfe brauchen, sei es in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kinderschutz oder bei Angeboten, die ihren Alltag erleichtern und ihre Entwicklung stärken. Hinter all dem steht die Überzeugung, dass Unterstützung dort ankommen sollte, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

Im Laufe des Gesprächs wird spürbar, dass Sterntaler weit mehr ist als eine fördernde Organisation. Es geht um Verantwortung, um Verbindungen zwischen Menschen und darum, genau hinzusehen.

Eine Wunderkiste für Kinder

Frau Merz, wie würden Sie Sterntaler jemandem beschreiben, der die Arbeit noch nicht kennt?

„Sterntaler ist für mich eine Wunderkiste.“

Treffender lässt sich die Idee hinter Sterntaler kaum beschreiben.

Von Beginn an war es Caroline Merz wichtig, sich nicht auf ein einzelnes Thema oder Krankheitsbild festzulegen. Stattdessen sollte Raum entstehen, um dort helfen zu können, wo Unterstützung benötigt wird.

„Wir wollten in Düsseldorf unabhängig helfen. Es musste etwas mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, und dann haben wir gemeinsam geschaut, was sinnvoll ist.“

Heute unterstützt Sterntaler ganz unterschiedliche Projekte und Initiativen. Entscheidend ist dabei weniger das Thema als die Frage, ob die Hilfe tatsächlich bei den Kindern ankommt.

„Jeder kann sein Anliegen in diese Wunderkiste hineinwerfen. Und wir prüfen dann sehr genau, was davon förderwürdig ist und wirklich etwas bewirkt.“

Wie aus einer Idee Engagement wurde

Sie haben Sterntaler gegründet. Was war der Auslöser dafür?

Die Geschichte von Sterntaler begann nicht mit einem großen Plan.

Ein prägendes Erlebnis war für Caroline Merz ein Aufenthalt auf einer Kinderonkologie. Dort wurde ihr bewusst, welchen Belastungen Familien mit schwer erkrankten Kindern ausgesetzt sind.

Aus diesem Eindruck entstand zunächst eine Spendenaktion. Die Resonanz war überraschend groß.

Was als einzelne Idee begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer dauerhaften Aufgabe. Immer mehr Menschen brachten sich ein, erste Projekte entstanden und das Netzwerk wuchs.

„Auf einmal waren Menschen da, die mitmachen wollten. Dann kamen die ersten Projekte. Und irgendwann wurde klar: Daraus entsteht etwas Größeres.“

Heute engagiert sich Sterntaler seit mehr als zwei Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche in Düsseldorf.

Not versteckt sich gerne

Auf Ihrer Website steht der Satz „Not versteckt sich gerne“. Was bedeutet dieser Gedanke für Ihre Arbeit?

Nicht jede Not ist sichtbar. Nicht jede Familie bittet um Hilfe. Oft sind es gerade die leisen Belastungen, die von außen kaum wahrgenommen werden.

Deshalb arbeitet Sterntaler eng mit Schulen, sozialen Einrichtungen, Beratungsstellen und Fachkräften zusammen, die den Alltag der Kinder kennen und früh erkennen können, wo Unterstützung benötigt wird.

„Man muss genau hinschauen. Viele Probleme erkennt man erst, wenn man sich wirklich mit den Menschen beschäftigt.“

Für sie beginnt Hilfe deshalb oft damit, Menschen und ihre Situation wirklich wahrzunehmen.

 

Sterntaler unterstützt nicht nur Projekte, sondern vernetzt auch Menschen und Einrichtungen. Welche Rolle spielt diese Vernetzung?

Im Gespräch wird spürbar, dass Sterntaler weit mehr ist als eine Organisation, die Fördermittel vergibt.

Mindestens genauso wichtig ist die Vernetzung.

Caroline Merz beschreibt Sterntaler als eine Schnittstelle zwischen Menschen, Einrichtungen, Unternehmen und Projekten.

Manchmal geht es um finanzielle Unterstützung. Manchmal um einen Kontakt. Und manchmal einfach darum, die richtigen Menschen zusammenzubringen.

Ein Beispiel: Für ein Schulprojekt werden Computer gespendet. Einige Geräte werden dort nicht benötigt. Statt sie ungenutzt stehen zu lassen, wird im Netzwerk nach einer Schule, einer Initiative oder einer Einrichtung gesucht, die sie gebrauchen kann.

„Diese Vernetzung ist eigentlich unser Markenzeichen.“

Sterntaler versteht sich deshalb nicht nur als Förderer, sondern auch als Brückenbauer.

Projekte, die Lücken schließen

Warum unterstützt Sterntaler so unterschiedliche Projekte?

Die Antwort fällt ihr leicht: Kinder brauchen unterschiedliche Formen der Unterstützung.

Mal geht es um Bildungsangebote.

Mal um therapeutisches Reiten für Kinder, die belastende Erfahrungen gemacht haben.

Mal um Hilfen für Familien in schwierigen Lebenssituationen.

Und manchmal um Dinge, die auf den ersten Blick klein erscheinen.

So erzählt sie von einem Mädchen in einer Wohngruppe, das zur Kommunion gehen sollte. Für die grundlegende Versorgung war gesorgt, nicht aber für ein Kleid oder eine kleine Feier.

Genau dort konnte Sterntaler helfen.

„Kleine Dinge können eine riesige Wirkung haben.“

Gerade solche Beispiele zeigen, dass Teilhabe oft an scheinbar selbstverständlichen Dingen hängt.

 

Gibt es ein Projekt oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Auf die Frage nach einem besonders bewegenden Projekt fällt Caroline Merz die Auswahl schwer.

Zu viele Begegnungen sind ihr im Laufe der Jahre in Erinnerung geblieben.

Besonders wichtig ist ihr jedoch die Babyschreiambulanz.

Aus Gesprächen mit überforderten Eltern entstand gemeinsam mit der Kinderschutzambulanz die Idee, ein Angebot für Familien mit schreienden Säuglingen aufzubauen.

Sterntaler half dabei, dieses Projekt auf den Weg zu bringen.

Für sie zeigt die Babyschreiambulanz, wie wichtig Hilfe zu einem frühen Zeitpunkt sein kann.

„Manchmal reicht Hilfe genau in dem Moment, in dem Menschen nicht mehr weiterwissen.“

Gleichzeitig erlebt Sterntaler auch die Grenzen des eigenen Handelns. Nicht jede Entwicklung lässt sich beeinflussen.

Umso wichtiger sei es, dort konsequent zu helfen, wo Unterstützung tatsächlich etwas verändern kann.

Verantwortung übernehmen

Die Sterntalerinnen engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich. Was trägt dieses Engagement?

Dahinter stehen verschiedene Beweggründe.

Da ist zum einen die Überzeugung, dass man Verantwortung übernehmen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

„Ich erlebe mich als privilegiert. Und ich finde, man sollte etwas davon zurückgeben.“

Hinzu kommt der Wunsch, Ungleichheiten nicht einfach hinzunehmen.

Es gehe nicht allein um Mitgefühl, sondern darum, konkrete Veränderungen zu ermöglichen.

Und schließlich sei da die Freude, wenn aus einer Idee ein Projekt wird und Kinder unmittelbar davon profitieren.

Hinschauen hilft

Was brauchen Kinder und Jugendliche heute aus Ihrer Sicht besonders?

Für Caroline Merz lautet die Antwort vor allem: Aufmerksamkeit.

Mehr Menschen, die hinschauen.

Mehr Unterstützung für Einrichtungen und Fachkräfte, die täglich mit Kindern arbeiten.

Und mehr Bereitschaft, frühzeitig zu helfen, bevor aus kleinen Problemen große Belastungen werden.

Wenn Sie den Satz vervollständigen würden: „Hinschauen hilft, weil …“

Caroline Merz muss nicht lange überlegen:

„… weil nur so sichtbar wird, welche Unterstützung ein Kind tatsächlich braucht.“

Ein Satz, der die Arbeit von Sterntaler auf den Punkt bringt.

Denn Hilfe beginnt oft nicht mit einer großen Lösung. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit und mit Menschen, die bereit sind hinzuschauen.

Mehr Informationen über die Sterntaler Stiftung finden sie hier: https://sterntaler-duesseldorf.de/