Eine Stadt wird lebendig, wenn Menschen mitmachen – Susanne Hummen von Pro Düsseldorf e.V.

Viele Düsseldorfer kennen den Dreck-weg-Tag, das Blaue Band am Rhein oder die Blumenoasen in der Innenstadt. Dass hinter vielen dieser Initiativen der Verein Pro Düsseldorf steht, wissen dagegen deutlich weniger Menschen.

Seit vielen Jahren setzt sich Pro Düsseldorf für eine lebenswerte Stadt und ein aktives Miteinander in der Stadtgesellschaft ein. Im Gespräch mit dem HirschburgFORUM spricht die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Susanne Hummen über Gemeinschaft, Eigeninitiative und die Frage, warum Engagement oft mit einem einfachen Gespräch beginnt.

Viele kennen die Projekte – aber nicht den Verein

Frau Hummen, wie würden Sie Pro Düsseldorf jemandem beschreiben, der die Initiative noch nicht kennt?

„Wenn ich den Dreck-weg-Tag, das blaue Band am Rhein oder unsere Blumenoasen erwähne, entsteht meist sofort Wiedererkennen.“

Viele Düsseldorfer kennen unsere Projekte. Dass dahinter Pro Düsseldorf steht, wissen jedoch die wenigsten.

„Eine meiner Kernaufgaben ist, den Verein bekannter zu machen.

Pro Düsseldorf initiiert eigene Projekte und versteht sich zugleich als Dach für Initiativen von Menschen, die ihre Stadt aktiv mitgestalten möchten.

Nicht fordern, sondern machen

Welche Rolle spielt bürgerschaftliches Engagement für eine Stadtgesellschaft?

„Nicht fordern, sondern machen.“

Für Susanne Hummen ist das mehr als ein Motto.

Immer wieder wenden sich Menschen mit Ideen oder Verbesserungsvorschlägen an Pro Düsseldorf.

„Wir kriegen immer wieder Mails von Leuten: Könnten Sie nicht mal da und da beginnen? Dann sagen wir: Suchen Sie sich gern Mitstreiter. Wenn Sie mindestens drei Engagierte finden und sagen, wir machen das, unterstützen wir gerne.“

Für sie entsteht Veränderung dort, wo Menschen bereit sind, selbst den ersten Schritt zu gehen.

Gemeinschaft entsteht nicht von allein

Was macht für Sie eine lebenswerte Stadt aus?

Für Susanne Hummen ist das vor allem das Miteinander der Menschen.

„Ich habe so das Gefühl, viele Leute vereinsamen und finden nicht so richtig etwas zum Andocken.“

Deshalb liegen ihr Projekte wie platzgrün! besonders am Herzen. Was mit dem Wunsch begann, einen Platz gemeinsam schöner zu gestalten, entwickelte sich zu einer Stadtweiten Initiative mit mittlerweile über 100 Standorten und über 160 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern.

„Dann kommt z.B. eine alte Dame vorbei und sagt: Was macht ihr denn da? Ich habe noch ein paar Zwiebelchen, wollt ihr die haben?“

Menschen kommen ins Gespräch, lernen ihre Nachbarn kennen und gestalten gemeinsam ihr Umfeld.

„Da geht mein Herz auf.“

Besonders wichtig seien dabei niedrigschwellige Angebote, bei denen Menschen unkompliziert mitmachen können.

„Gemeinschaft vor Ort finde ich gerade heute in dieser digitalen Welt extrem wertvoll.“

Viele Herzensprojekte

Gibt es Projekte oder Aktionen von Pro Düsseldorf, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

„Ganz schwer zu sagen. Ich finde die eigentlich alle cool.“

Ob Dreck-weg-Tag, platzgrün, Gießkannenheld:innen oder Düsselspatz – jedes Projekt erreiche Menschen auf unterschiedliche Weise.

Besonders wichtig sind ihr Projekte, die Gemeinschaft fördern und gleichzeitig einen konkreten Beitrag für die Stadt leisten.

Der Düsselspatz macht auf Biodiversität im städtischen Raum aufmerksam.

„Der Spatz ist ja nun nicht schwerst bedroht. Aber es ist ein charmantes und emotionales Thema was sehr gut ankommt!

Viele Menschen verbinden mit dem Haussperling Erinnerungen an ihre Kindheit.

„Wir alle kennen die Spatzen noch von früher.“

Genau darin sieht Susanne Hummen die Stärke des Projekts: Über etwas Vertrautes für Natur- und Artenschutz im eigenen Umfeld zu sensibilisieren.

Gute Ideen brauchen Unterstützung

Woran erkennen Sie, dass ein Projekt wirklich etwas bewirkt hat?

„Bei der Initiative Hermann blüht auf am Hermannplatz sieht man es sehr gut. Sie haben voriges Jahr den 2. Platz beim Zukunftspreis bekommen.“

Wirkung zeigt sich für Susanne Hummen aber nicht nur durch Auszeichnungen.

Beim Dreck-weg-Tag erlebt sie jedes Jahr, wie Kinder und Jugendliche ihre Stadt anders wahrnehmen.

„Dann marschieren die mit Zange und Weste los und finden das ganz cool.“

Darin sieht sie mehr als eine Aufräumaktion.

„Das ist die Sensibilisierung zum Thema.“

Auch wenn Menschen Projekte aufgreifen und unterstützen möchten, ist das für sie ein Zeichen, dass etwas in Bewegung kommt.

„Zack, kommen zwei Firmen und sagen: Super Idee, unterstützen wir.“

Bislang könne sie sich nicht an ein Projekt erinnern, das sich nicht positiv entwickelt habe.

„Gott sei Dank nicht bisher.“

Pro Düsseldorf als Dach für Engagement

Welche Rolle spielt Pro Düsseldorf bei neuen Ideen aus der Stadtgesellschaft?

„Wir möchten Pro Düsseldorf zum Einen mit eigenen Projekten weiterentwickeln, zum anderen aber auch weiter als Dach für Initiativen von Engagierten etablieren.“

Menschen mit Ideen sollen nicht an Förderanträgen, Vereinsstrukturen oder organisatorischen Fragen scheitern.

„Wir kümmern uns um die Finanzierung und die Administration.“

Gerade für Menschen, die sich engagieren möchten, ohne einen eigenen Verein aufzubauen, sei das oft eine große Hilfe.

„Das ist der Added Value, den wir bieten.“

Geschichten bewegen Menschen

Gibt es Begegnungen oder Erfahrungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Besonders gerne erinnert sich Susanne Hummen an eine Begegnung beim Dreck-weg-Tag.

Eine Teilnehmerin erzählte ihr von einer vermüllten Baumscheibe vor ihrem Haus. Aus dem Gespräch entstanden neue Kontakte, konkrete Verbesserungen vor Ort und schließlich sogar eine Vereinsmitgliedschaft.

„Die Frau war glücklich und ich war glücklich.“

„Das persönliche Gespräch bringt viel mehr.“

Auch deshalb setzt sie weniger auf Hochglanzbroschüren als auf echte Begegnungen und konkrete Geschichten.

„Das, was die Leute motiviert, sind Geschichten.“

Menschen auf Augenhöhe begegnen

Was haben Sie durch Ihr Engagement über Menschen gelernt?

Immer wieder habe sie erlebt, wie wichtig es sei, Menschen ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören.

„Bürger, egal was da kommt, erstmal ernst nehmen.“

Viele Probleme ließen sich nicht allein durch Programme lösen.

„Man muss ins Gespräch kommen.“

Diese Erfahrung habe sie auch in ihrer Arbeit mit Geflüchteten gemacht.

„Geben und Nehmen ist ganz wichtig.“

Ehrenamt braucht Anerkennung

Was braucht es, damit sich Menschen dauerhaft engagieren können?

Für Susanne Hummen braucht ehrenamtliches Engagement vor allem eines: Wertschätzung.

Die Ehrenamtspauschale sieht sie als ein wichtiges Zeichen der Anerkennung.

„Ich finde diese minimale Wertschätzung wichtig.“

Gleichzeitig erlebe sie, dass viele Vereine vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

„Es sind ja immer wieder die gleichen Themen, die viele Vereine beschäftigen.“

Auch Pro Düsseldorf ist auf Menschen angewiesen, die bereit sind, ihre Zeit und ihr Wissen einzubringen.

„Wir wünschen uns ehrenamtliche Unterstützung für unseren Gießkannenheld Thomas, um das Thema Schwammstadt weiter voranzubringen. Sprechen Sie mich gerne an unter susanne.hummen@pro-duesseldorf.de, wenn Sie sich engagieren möchten.“

Umso wichtiger seien Austausch, gegenseitige Unterstützung und Orte, an denen Wissen und Erfahrungen geteilt werden können.

Eine Stadt wird lebendig, wenn …

Wenn Sie diesen Satz vervollständigen würden: „Eine Stadt wird dann lebendig, wenn …“

„… die Menschen lebendig sind. Aktiv sind.“

Im Gespräch kehrt Susanne Hummen immer wieder zu einem Gedanken zurück:

„Nicht fordern, sondern machen.“

Wichtig ist ihr, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Verantwortung übernehmen und ihr Umfeld aktiv mitgestalten.

„Gemeinschaft finde ich gerade heute in dieser digitalen Welt extrem wertvoll.“

Vielleicht beginnt genau dort eine lebendige Stadt.

Mehr über die Arbeit von Pro Düsseldorf erfahren Sie hier:

Pro Düsseldorf e. V.