Talente erkennen und Raum geben: Sabine Warnecke über Begabungsförderung bei der Stiftung Haus der Talente

Die Stiftung Haus der Talente in Düsseldorf fördert Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Potenziale erkannt und individuell entwickelt werden können – nicht nur im schulischen Kontext, sondern auch im Alltag.

In Kursen und individuellen Förderformaten begleitet die Stiftung junge Menschen dabei, ihre Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Im Gespräch erzählt Sabine Warnecke, fachliche Leiterin und Geschäftsführerin der Stiftung, wie ihr Zugang zur Begabungsförderung entstanden ist und warum es Räume braucht, in denen junge Menschen sich entfalten können.

„Mir geht es darum, junge Talente zu erkennen und zu fördern“
Frau Warnecke, Sie vereinen mehrere Rollen bei der Stiftung Haus der Talente. Wie würden Sie Ihre Aufgabe und Ihren Antrieb beschreiben?

Ich fühle mich im Tagesgeschäft als Beraterin, Dozentin und auch als kreative Kraft. Gleichzeitig bin ich in der Stiftung auch als Personal- und Organisationsentwicklerin tätig, die Weiterentwicklung möglich macht.

Mir geht es darum, junge Talente zu erkennen und zu fördern – das ist das Ziel unserer Arbeit.

Ein Thema, das sich durch das Leben zieht

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Begabungsförderung. Was hat Sie persönlich zu diesem Thema geführt?

Ich kann das an drei Momenten festmachen: Mit vier Jahren habe ich meiner Mutter schon sehr lange Geschichten erzählt.

Mit 35 habe ich als Dozentin in der Erwachsenenbildung gemerkt, dass ich sehr unterschiedliche Themen abdecke.

Und mit 49 wurde ich von Prof. Mönks angesprochen, das damalige Competence Center  Begabtenförderung der Stadt Düsseldorf zu übernehmen.

Da war für mich klar: Es geht mehr.

Ich habe das Thema auch bei meinen eigenen Kindern und in der Personalentwicklung immer wieder erlebt.

Lernen, das zum Kind passt

Gibt es auch Angebote für Eltern, etwa zu Lerntechniken?

Es gibt Angebote für Eltern, vor allem zur Orientierung und Unterstützung.
Die Vermittlung konkreter Lerntechniken richtet sich jedoch bewusst direkt an die Kinder. Denn die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist beim Thema Lernen oft emotional geprägt.

Uns ist wichtig, dass Kinder Methoden kennenlernen, die zu ihnen passen – und dass sie lernen, eigenständig zu arbeiten.

Wir bilden auch Schülerinnen und Schüler zu Lerncoaches aus, die dann andere unterstützen.
Das wird häufig sehr gut angenommen, weil Lernen auf Augenhöhe für viele Kinder leichter zugänglich is

Zwischen Leistungsdruck und neuen Anforderungen

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Bildungssystem?

Schule muss zukunftsfähig gemacht werden. Es fehlen aus meiner Sicht auch Fächer zu Kompetenzen, die für das Leben wichtig sind.

Ein großes Thema ist der Umgang mit digitalen Medien. Verbote allein führen nicht weiter – es braucht einen guten und bewussten Umgang damit.

Auch Eltern spielen dabei eine wichtige Rolle als Vorbilder – im Umgang mit Medien, aber auch darin, wie präsent sie im Alltag sind.

Räume, die ergänzen und stärken

Welche Rolle können außerschulische Orte wie die Stiftung Haus der Talente dabei spielen?

Solche Orte nehmen eine wichtige Rolle ein, weil sie das Schulsystem ergänzen.

Sie bieten andere Möglichkeiten der Förderung und schaffen Räume, in denen Kinder sich anders ausprobieren können.

Begabungen sichtbar machen

Was bedeutet Chancengerechtigkeit für Sie ganz konkret?

Für uns bedeutet das, Begabungen in einer ganzen Klasse sichtbar zu machen.

Mit unserem Talentscreening haben alle Kinder die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit zu zeigen, was sie können.

Dabei erleben wir immer wieder, dass gerade zurückhaltende Kinder überraschen – zum Beispiel Schülerinnen, die sich im Unterricht kaum melden und eher unauffällig bleiben, im Talentscreening aber überraschend gute Ergebnisse zeigen.

Die Haltung macht den Unterschied

Welche Rolle spielt die Haltung der Erwachsenen?

Ich glaube, es ist wichtig, den Druck etwas herauszunehmen.

Viele Eltern wünschen sich bestimmte, vorgezeichnete Bildungswege für ihre Kinder.

Dabei sollten wir stärker auf die individuellen Fähigkeiten schauen und Kindern Raum geben – auch für eigene Erfahrungen.

Das kann zu mehr Motivation führen und langfristig auch zu besseren Leistungen.

Kontinuität statt Wachstum

Wo möchten Sie mit der Stiftung Haus der Talente in den nächsten Jahren stehen?

Mir geht es nicht um Expansion.

Ich wünsche mir, dass wir unsere Arbeit langfristig fortführen können und dafür die notwendigen Mittel haben.

Eine Vision für die Zukunft

Was wünschen Sie sich für die Bildungs- und Talentförderung?

Ich würde mir wünschen, dass es in jeder Stadt einen Ort wie das Haus der Talente gibt.

Als außerschulischer Lernort kann er das bestehende System sinnvoll ergänzen.

Räume für Entwicklung und Werte

Warum sind solche Orte gesellschaftlich wichtig?

Sie sind Orte der individuellen Förderung, aber auch der Wertevermittlung.

Kinder und Jugendliche erleben dort Gemeinschaft und lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Das halte ich für ein großes Potenzial für die Zukunft.

 

Wenn Sie eine Einladung aussprechen könnten – wie würde sie lauten?

Ich würde verschiedene Gruppen ansprechen.

Eltern könnten von unseren Angeboten profitieren, Großeltern könnten ihren Enkeln beispielsweise die Teilnahme an einem Kurs ermöglichen.

Schulen könnten Lehrkräfte weiterqualifizieren, und auch Unternehmen können unsere Arbeit unterstützen.

 

Weitere Informationen

Mehr zur Arbeit der Stiftung Haus der Talente:

https://www.hausdertalente-duesseldorf.de/