Zeit schenken, Vertrauen stärken: Frau Theye über Leseförderung bei MENTOR Düsseldorf
MENTOR – Die Leselernhelfer Düsseldorf e. V. begleitet Kinder beim Lesenlernen durch ehrenamtliche Lesementoren.
Im Mittelpunkt steht die persönliche 1:1-Begleitung: Ein Kind trifft sich einmal in der Woche mit einem festen Mentor in der Schule. Es wird gelesen, gesprochen, gespielt und gelacht – und so entwickelt sich Schritt für Schritt Sicherheit im Umgang mit Sprache.
Im Gespräch erzählt Frau Theye, Vorständin von MENTOR Düsseldorf und Nachfolgerin der langjährigen Vorständin Frau Meurer, warum gerade diese verlässliche Beziehung für viele Kinder den entscheidenden Unterschied macht.
„Es geht darum, dass ein Kind sich etwas zutraut“
Frau Theye, was macht die Arbeit von MENTOR Düsseldorf für Sie besonders?
Im Zentrum steht die Begegnung zwischen einem Kind und einem Erwachsenen, der sich bewusst Zeit nimmt.
Die Mentoren holen die Kinder dort ab, wo sie stehen, und begleiten sie ohne Leistungsdruck – mit Geduld, Aufmerksamkeit und einem guten Gespür für das einzelne Kind.
Es geht nicht nur um das Lesen. Es geht darum, dass ein Kind Vertrauen fasst, sich etwas zutraut und eigene Fortschritte erlebt.
Mehr als Nachhilfe
Wie funktioniert die Arbeit von MENTOR konkret?
Kinder mit besonderem Förderbedarf im Lesen werden von Lehrern vorgeschlagen und erhalten einen festen Mentor.
Einmal in der Woche treffen sich Kind und Mentor in der Schule. Es wird gelesen, gesprochen und auch gespielt – Textverständnis und Wortschatz entwickeln sich dabei ganz selbstverständlich.
Im Unterschied zur klassischen Nachhilfe gibt es keinen Lehrauftrag und keinen Leistungsdruck. Die gemeinsame Zeit orientiert sich an den Interessen des Kindes.
So entsteht ein Raum, in dem Kinder sich öffnen und in ihrem eigenen Tempo lernen können.
Lesen als Zugang zur Welt
Welche Bedeutung hat Lesen für die Entwicklung von Kindern?
Lesen ist für viele Kinder der Schlüssel, um sich im Alltag und in der Schule zurechtzufinden.
Die regelmäßige Zuwendung und die wachsende Lesekompetenz stärken das Selbstvertrauen. Mit der Zeit eröffnen sich neue Möglichkeiten – auch im schulischen Kontext.
Wer lesen kann, versteht Zusammenhänge besser, erweitert seinen Wortschatz und gewinnt an Selbstständigkeit. Gleichzeitig fördert Lesen die Vorstellungskraft und die Fähigkeit, sich zu konzentrieren.
Frau Theye beschreibt, dass sich mit der Zeit nicht nur die Lesefähigkeit verbessert, sondern auch das Auftreten der Kinder: Sie sprechen freier, werden sicherer und beginnen, sich mehr zuzutrauen.
Vertrauen entsteht durch Zeit
Was macht die Beziehung zwischen Kind und Mentor so besonders?
Ein Mentor begleitet ein Kind in der Regel über einen längeren Zeitraum – oft über mehrere Jahre hinweg.
Diese Verlässlichkeit schafft Vertrauen. Die Kinder erleben, dass sich jemand kontinuierlich für sie interessiert.
Die Beziehung ist nicht an Leistung gebunden, sondern an echtes Interesse. Genau das macht sie für viele Kinder so wertvoll.
Ehrenamt mit Wirkung
Welche Rolle spielt das Engagement der Ehrenamtlichen?
Die Mentoren bringen unterschiedliche Erfahrungen mit – entscheidend ist ihre Bereitschaft, sich auf ein Kind einzulassen.
Viele berichten, dass sich ihr Blick verändert: auf Bildung, auf Lebensrealitäten und auf die Herausforderungen, denen Kinder begegnen.
So entstehen Verbindungen, die über das einzelne Tandem hinaus wirken.
Gleichzeitig erleben viele Mentoren ihr Engagement selbst als bereichernd – es entsteht eine klassische Win-Win-Situation: Die Kinder gewinnen an Sicherheit und Selbstvertrauen, und die Mentoren erfahren, wie sinnstiftend und erfüllend diese Form der Begleitung sein kann.
Zwischen neuen Gewohnheiten und echten Begegnungen
Mit welchen Herausforderungen ist die Leseförderung heute konfrontiert?
Kinder wachsen heute mit veränderten Gewohnheiten auf – insbesondere durch digitale Medien. Das Buch verliert dabei teilweise an Bedeutung.
Gleichzeitig sind die Voraussetzungen sehr unterschiedlich: sprachlich, familiär und sozial.
Umso wichtiger ist eine kontinuierliche Begleitung und die bewusste Hinführung zum Lesen – als Zugang zu Sprache, Konzentration und eigener Vorstellungskraft.
Entwicklung braucht Zeit
Woran merken Sie, dass Ihre Arbeit Wirkung entfaltet?
Kinder, die anfangs zurückhaltend sind, beginnen, sich zu öffnen.
Sie lesen sicherer, sprechen freier und gewinnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Diese Entwicklung geschieht oft leise – und entfaltet ihre Wirkung über die Zeit.
Räume für Austausch und Gemeinwohl
Das HirschburgFORUM versteht sich als Ort für ruhigen Austausch und Gemeinwohl. Wie wichtig sind solche Räume aus Ihrer Sicht?
Solche Orte sind sehr wichtig.
Sie schaffen die Möglichkeit, dass unterschiedliche Initiativen miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen und voneinander lernen.
Gerade wenn viele Menschen an ähnlichen Themen arbeiten, ist es hilfreich, sich zu verbinden – über den eigenen Kontext hinaus.
Blick nach vorn
Wo sehen Sie MENTOR Düsseldorf in den kommenden Jahren?
Das Ziel bleibt, möglichst vielen Kindern diese Form der Begleitung in gleichbleibender Qualität zu ermöglichen.
Dafür braucht es verlässliche Strukturen und Förderer, damit das Engagement langfristig getragen werden kann.
Eine Einladung
Wenn Sie eine Einladung an die Stadtgesellschaft aussprechen dürften – wie würde sie lauten?
Vielleicht so:
Sich Zeit zu nehmen. Sich einzulassen.
Und einem Kind regelmäßig Aufmerksamkeit zu schenken.
Denn oft ist es genau diese eine Stunde, die einen Unterschied macht.
Weitere Informationen
Wer mehr über die Arbeit von MENTOR – Die Leselernhelfer Düsseldorf e. V. erfahren oder sich selbst engagieren möchte, findet hier weitere Informationen:



