Das Gute hat drei Buchstaben – Im Gespräch mit Peter H. Dehnen, Vorstand der Margarete-Breuer-Stiftung
Die Margarete-Breuer-Stiftung ist eine kleine, unabhängige Stiftung mit Sitz in Düsseldorf. Sie fördert in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe und Tierschutz – mit einem besonderen Blick auf das, was oft übersehen wird. Im Gespräch mit Peter H. Dehnen geht es um sogenannte „Weiße Flecken“ – und um die Frage, wie Verantwortung dort übernommen werden kann, wo bestehende Strukturen nicht greifen.
Weiße Flecken sehen – und benennen
Herr Dehnen, Sie sprechen in Ihrer Arbeit häufig von sogenannten „Weißen Flecken“. Was meinen Sie damit?
„Es gibt Missstände, die alle sehen. Über die viele reden. Und trotzdem passiert – nichts. Nicht, weil es niemanden kümmert, sondern weil sie in keine Zuständigkeit fallen, in kein Förderschema passen.
Wir nennen das einen ‚Weißen Fleck‘: einen Zustand, der die Würde eines Menschen – oder eines Tieres – verletzt, und den niemand beseitigt, obwohl er sichtbar ist.“
Förderbereiche – und eine klare Haltung
In welchen Bereichen ist die Stiftung tätig?
„Wir fördern in drei Bereichen: Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe – vor allem alleinstehende ältere Menschen ohne Angehörige – und Tierschutz.
In besonderen Lagen, wie dem Krieg in der Ukraine, erweitern wir diesen Fokus gezielt. Dann geht es um junge Menschen, alte Menschen und Tiere, die ihre Sicherheit verloren haben.“
Was unterscheidet Ihre Arbeit von anderen Stiftungen?
„Weniger das Was wir tun – sondern das Wie.“
Anwalt statt Spender
Was bedeutet dieses „Wie“ konkret?
„Wir haben uns bewusst entschieden, das Wort ‚Spender‘ aus unserem Vokabular zu streichen. Ein Spender gibt und geht. Wir bleiben.
Wir verstehen uns als Anwalt – im wörtlichen Sinn. Wir ergreifen Partei. Für Kinder, die nicht gehört werden. Für alte Menschen, die unsichtbar werden. Für Tiere, die keine Sprache haben, in der sie ihr Leid formulieren können.“
Und was heißt das für die Praxis?
„Anwaltschaft heißt nicht Bevormundung. Ein guter Anwalt entscheidet nicht für seinen Mandanten.“
Würde bedeutet für uns Selbstbestimmung – das Recht jedes Einzelnen, über das eigene Leben zu bestimmen, soweit es irgend geht.“
Drei Buchstaben: TUN
Gibt es einen Leitgedanken, der Ihre Arbeit prägt?
„Ja. Ein Satz, der bei uns so etwas wie ein Credo geworden ist: Das Gute hat drei Buchstaben: TUN.“
Wie zeigt sich das konkret?
„Wir arbeiten ausschließlich projektbasiert. Mit klaren Zielen, realistischer Planung und intensiver Begleitung.
Wir finanzieren keine Institutionen auf Dauer, wir schließen keine Etatlücken, wir ersetzen nicht den Staat. Was wir tun: Wir identifizieren einen Weißen Fleck, suchen oder finden einen Partner – und bringen alles ein, was wir haben: Erfahrung, Netzwerk, Know-how, Zeit – und Geld.
Wirkung verstehen – und ernst nehmen
Woran erkennen Sie, ob ein Projekt gelingt?
„Wirkung heißt für uns nicht, dass ein Projekt läuft.
Wirkung heißt, dass der Weiße Fleck kleiner wird oder verschwindet. Und nachhaltig ist ein Ergebnis erst dann, wenn es den Tag überlebt, an dem unsere Förderung endet.“
Zusammenarbeit als Veränderungspartnerschaft
Wie arbeiten Sie mit Ihren Projektpartnern zusammen?
„Das Wort, das es am besten beschreibt, ist Veränderungs-Partner.
Wir mischen mit. Wir stellen Fragen – auch unbequeme. Nicht aus Misstrauen, sondern aus echtem Interesse am Gelingen.
Aber wir beschneiden weder die Verantwortung noch den Entscheidungsspielraum unserer Partner. Partnerschaft auf Augenhöhe ist für uns Voraussetzung.“
Gibt es auch klare Abgrenzungen?
„Ja. Wir lehnen entschieden das ab, was wir intern ‚Karitarisierung‘ nennen: Hilfe, die Menschen oder Tiere zu passiven Empfängern macht.
Unser Blick geht auf Potenzial, nicht auf Defizit.“
Tierschutz – eine offene Frage
Sie fördern auch im Bereich Tierschutz. Funktioniert Ihr Ansatz dort genauso?
„Ehrlich gesagt ringen wir noch.
Unsere Gedanken zu Anwaltschaft, Würde und Selbstbestimmung sind zunächst in der Sprache der Menschen gedacht. Übertragen auf Tiere fühlen sie sich richtig an – und doch unfertig.“
Was ist dabei die zentrale Frage?
„Was würde uns ein Tier sagen – als seinem Anwalt?
Wir sprechen diese Sprache nicht. Wir können Bedürfnisse nur mittelbar erschließen. Aber wir nehmen diese Aufgabe ernst – und suchen gezielt nach Projekten, die Ursachen von Tierleid angehen, nicht nur Symptome.“
Klein – und bewusst unabhängig
Die Stiftung ist vergleichsweise klein. Welche Rolle spielt das?
„Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil.
Klein heißt: unabhängig, schnell, direkt. Wir müssen uns nicht vor Fördergebern rechtfertigen. Wir müssen uns vor unseren eigenen Werten rechtfertigen – und das ist oft strenger.“
Verantwortung übernehmen
Wenn Sie Ihre Arbeit zusammenfassen müssten – was treibt Sie an?
„Dass wir nicht beim Reden stehen bleiben.
Es gibt viele Diskussionen, viele Analysen. Aber entscheidend ist, ob jemand handelt. Für uns ist das der Kern: TUN.“
Blick nach vorn
Was wünschen Sie sich – über die Arbeit Ihrer Stiftung hinaus?
„Dass mehr Menschen hinschauen, wo andere wegsehen.
Und dass mehr Initiativen den Mut haben, genau dort anzusetzen, wo niemand zuständig ist. Denn genau dort entstehen die Weißen Flecken.“
Weitere Informationen zur Arbeit der Margarete-Breuer-Stiftung, ihren Förderbereichen und aktuellen Projekten finden Sie unter:
https://mb-stiftung.org



