Die dritte Tasse Inspirationsbeitrag HirschburgFORUM

Die dritte Tasse

Die dritte Tasse

 

Zwei Frauen trafen sich seit Jahren einmal in der Woche in demselben kleinen Café.

Sie saßen immer am gleichen Tisch am Fenster, bestellten Tee und erzählten sich, was seit dem letzten Mal geschehen war.

Eines Tages kam nur eine von ihnen.

Sie setzte sich trotzdem an ihren Platz und bestellte zwei Kännchen Tee. Die zweite Tasse ließ sie auf der anderen Seite des Tisches stehen.

Am Nebentisch saß ein junger Mann. Er hatte gerade ein angespanntes Telefongespräch beendet und starrte auf sein Handy.

Nach einer Weile fragte die Frau:

„Möchten Sie einen Tee?“

Er zögerte kurz und setzte sich dann zu ihr.

Sie sprachen über ganz gewöhnliche Dinge. Über das Wetter, die Stadt und darüber, wie schnell eine Woche vergeht.

Als er später ging, sagte er:

„Ich wollte heute eigentlich nur nicht allein sein.“

Manchmal hinterlässt ein Mensch, der fehlt, nicht nur eine Lücke.

Manchmal wird aus dieser Lücke auch ein freier Platz.

Vielleicht bedeutet Trost nicht immer, eine Leerstelle zu füllen. Vielleicht bedeutet er manchmal, sie offen zu halten – bis für einen Moment jemand anderes darin Platz nehmen kann.

Frau Hirschburg