ÜB ERLEBEN statt ÜBERLEBEN – Das Erleben des Lebens üben
Viele Menschen sind – wie die meisten von uns – damit beschäftigt, über die Runden zu kommen, sich selbst durch den Alltag zu bringen. Manche wollen einfach nur überleben. Das kann mitunter hart sein, besonders wenn man sich dabei allein gelassen fühlt.
Mir kam dazu ein kleines Wortspiel in den Sinn, das ich auf ein Bild von mir gesetzt habe:
ÜB ERLEBEN – statt nur zu ÜBERLEBEN.
Ein Kommentar dazu fällt nicht schwer.
Ich kann nur predigen – und würde in diesem Sinne sagen: Üb erleben!
Das bedeutet für mich, das Leben in seinen Facetten wahrzunehmen und zu genießen. Neues zu entdecken: Überraschungen, Bereicherungen und vielleicht auch Hilfestellungen.
Vielleicht bedeutet es auch, nicht allzu sehr darauf bedacht zu sein, in den Himmel zu kommen, sondern vielmehr das zu beachten, was geschieht, bevor wir dort sind.
Wir beten schließlich nicht:
„Vater unser … geheiligt werde dein Name, damit wir nach unserem Tod in dein Reich im Himmel eintreten.“
Vielmehr heißt es:
„Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe – wie im Himmel, so auf Erden.“
Die christliche Botschaft handelt von einer anderen Lebensweise, von einer anderen Art, das Leben zu sehen und zu gestalten – solange wir auf diesem Planeten leben.
Nicht das krampfhafte Kümmern nur um uns selbst bringt uns weiter, sondern die Erkenntnis, dass wir in Wirklichkeit nicht getrennt sind – und was sich daraus ergeben kann.
Diese Wahrheit ist vielleicht wie die Sonne hinter den Wolken: immer da, immer Licht schenkend.
Warum also sollten wir das Dunkel vorziehen?
Ein Beitrag von
Abt em. Laurentius Schlieker OSB
Benediktinerabtei Gerleve



