Was Kinder stark macht – Ein Gespräch mit Frau Vits, Vorständin der Paul und Mia Herzog Stiftung

Nachdem Frau Vits als Vorständin der Paul und Mia Herzog Stiftung am 29. August beim HirschburgFORUM Sommerfest zu Gast war, setzten wir das Gespräch am 6. November in den Räumen der Stiftung fort. Sie sprach über ihre Motivation, über Kinder, Familien und Bildungschancen – und darüber, was sie in ihrer täglichen Arbeit besonders bewegt.

Persönliche Haltung und Motivation

Was hat Sie persönlich bewogen, sich in der Paul und Mia Herzog Stiftung zu engagieren? Wie sind Sie zur Vorsitzenden geworden?

„Das begann mit Frau Herzog selbst. Ich kannte sie persönlich und habe ihr in ihrem Alltag geholfen. Wir hatten immer einen guten Kontakt. Eines Tages fragte sie, ob ich mir vorstellen könnte, in ihrer Stiftung mitzuarbeiten. Nach ihrem Tod ging der Aufbau erst richtig los – ohne Räume, ohne Strukturen, nur wir zwei benannten Personen. Ich bin da ehrlich gesagt unvorbereitet hineingeraten und habe mich Schritt für Schritt eingearbeitet.“

Gibt es Momente, die Ihnen das Gefühl geben, dass Ihre Arbeit wirkt?

„Ja, wenn jemand aus einem geförderten Projekt anruft – mit einem Problem oder mit Dank. Das zeigt Vertrauen. Und wenn ich sehe, was mit den Fördergeldern geschieht – Kinder, die selbstbewusst auftreten, Seniorinnen, die Freude an einem Ausflug haben – dann weiß ich: Es kommt an.“

Geist und Haltung der Stiftung

Welche Werte prägen die Arbeit der Stiftung?

„Wir fördern Projekte, die nah an den Menschen im Stadtteil sind – mit Herz, mit Verlässlichkeit und mit gesundem Menschenverstand. Uns leitet der Gedanke, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie ihren eigenen Weg gehen können. Besonders Mädchen mit Migrationshintergrund sollen erfahren, dass sie etwas können und dass ihre Stimme zählt.“

Wie gelingt es Ihnen, Nähe zu den Menschen zu halten?

„Indem wir im Austausch bleiben – mit den Einrichtungen, den Trägern, den Eltern. Ich möchte wissen, was wirklich gebraucht wird. Papier ist das eine, Begegnung das andere.“

Kinder, Jugendliche und Lebensräume

Wenn Sie an die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil denken – was wünschen Sie sich am meisten für sie?

„Selbstbewusstsein, Teilhabe und die Erfahrung: Ich kann etwas bewegen. Viele Kinder brauchen stabile Ansprechpersonen außerhalb ihrer Familie, Menschen, die sie ernst nehmen.“

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

„Ein schönes Beispiel ist ein Mädchenprojekt, das eine Art Schnitzeljagd durch Düsseldorf veranstaltet. Die Teilnehmerinnen müssen mit Bus und Bahn selbstständig verschiedene Stationen finden. Wenn sie sagen: ‚Ich hab’s geschafft!‘ – das sind kleine, aber entscheidende Schritte. Oder die Nachmittagsangebote: gemeinsames Kochen, Basteln, Hausaufgabenhilfe. Das ist für viele ein zweites Zuhause. Da entstehen Freundschaften und Vertrauen.“

Stiftungsarbeit im Wandel

Was hat sich in Ihrer Arbeit in den letzten Jahren verändert?

„Die Bedarfe wandeln sich. Früher kamen viele Kinder aus dem Viertel, heute auch geflüchtete Familien. Die Träger reagieren flexibel – sie schaffen Frühstückstreffs, laden Mütter ein, eröffnen neue Räume. Das finde ich großartig. Und natürlich ist die Gesellschaft rauer geworden. Rücksicht und Respekt sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Schulen leisten sehr viel, aber sie können nicht alles auffangen. Kinder brauchen ergänzende Unterstützung – und Eltern müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen.“

Gibt es Themen, bei denen Sie künftig besonders hinschauen wollen?

„Ja, vor allem auf die Rolle der Mädchen. Sie tragen die nächste Generation – und sie brauchen Freiräume, um sich entfalten zu können. Außerdem auf frühkindliche Förderung: Lesen, Sprache, Bewegung – da müssen wir stärker ansetzen.“

Verbindung und Resonanzräume

Welche Bedeutung hat für Sie die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen?

„Der Austausch mit verschiedenen Akteuren ist wichtig. Er öffnet neue Blickwinkel und schafft Brücken – besonders dort, wo Menschen sich auf Augenhöhe begegnen. Gemeinsame Gespräche, wie wir sie hier führen, helfen, Bedürfnisse besser zu verstehen und Unterstützung sinnvoll auszurichten.“

Persönlicher Ausblick

Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken – was wünschen Sie sich, dass von Ihrer Arbeit sichtbar bleibt?

„Dass wir Kindern, Jugendlichen und Familien etwas mitgegeben haben, das trägt – Mut, Vertrauen und Zuversicht. Dass unsere Unterstützung im Alltag spürbar bleibt.“

Und ganz persönlich: Wann haben Sie das Gefühl, es war ein guter Tag für die Stiftung?

„Wenn ich erlebe, dass Vertrauen gewachsen ist – und dass die Freude der Menschen, die wir fördern, spürbar ist. Dann weiß ich: Es lohnt sich, dranzubleiben.“

Am Ende hängt alles von Menschen ab, die mit Herz dabei sind. Eine Stiftung kann nur wirken, wenn sie Nähe schafft – zwischen Generationen, Kulturen und Lebenswelten. Solche Begegnungen machen unsere Arbeit wertvoll.